News
Hurtig oder sakte Fart - Im Land der Steinreichen |
| 26.09.2010 |
Zuerst zur Erklärung der Überschrift: Hurtig heißt auf norwegisch „Schnell“ und sakte Fart heißt „langsame Fahrt“ (oft auf Schildern an engen Fahrwassern zu finden). Damit ist schon mal erklärt, wo diese Episode sich ereignet hat – nämlich in Norwegen.
Im September 2010 hatte ich das Vergnügen eine Swan 47, Baujahr 77 von Bodø nach Cuxhaven zurück zu überführen. Der Ausgangshafen liegt übrigens auf 67° 16’88’’N und 014° 22’35’’E, falls es jemanden interessiert. Hier staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Kurz gesagt, es liegt an der norwegischen Atlantikküste, innerhalb der Lofoten. Geographisch noch höher als Island.
Der Anflug ging über Oslo. Dort ist sozusagen der zentrale Umschlagplatz aller Flüge ins Landesinnere. Es geht auch zu wie am Flughafen. Wir saßen denn auch am verkehrten Schalter, zur gleichen Zeit gingen zwei Flüge nach Bodø. Kaum ist man in Norwegen, spürt man gleich, das ein anderer Wind weht. Alles ist sehr teuer, die Leute etwas kühler, das Wetter gestaltete sich jedoch freundlich. Auf dem Weiterflug nach Bodø sahen wir viele Gletscher mit genügend Eis darauf, die anderseits den Segler nicht wirklich begeistern können. Schließlich hatte ich schönes Wetter gebucht und keinen Winterurlaub. Aber klein Ulli hatte genügend warme Klamotten im Seesack, so das man nicht wirklich in Panik verfallen musste. Wir flogen auch über eine Unzahl von Fjorden, deren Anblick einem das Herz wieder öffnete.
Im Wasser konnte man auch die Klarheit des Wassers erkennen, ich vermute mal, das man bis zu 50 Meter tief ins Wasser blicken konnte. Nicht umsonst gibt es hier unzählige Fischfarmen. Hier werden die berühmten Norwegischen Lachse gezüchtet und beim Anblick der unzähligen Farmen mit ihren Fütterungsmethoden versteht man, wie ein doch relativ günstiger Preis überhaupt entstehen kann. Hier betreibt man eben Ackerbau und Viehzucht auf dem Wasser.
Der Flughafen von Bodø ist ein echter Provinzflughafen, man landet quasi in der Stadt, Sicherheitsbereiche wie an internationalen Flughäfen sucht man vergeblich. Mit dem Bus dauerte die Reise ins Stadtzentrum genau 10 aufregende Minuten, dann stand man am Wasser. Die „PAPILLON“ war schnell gefunden, keiner an Bord. Wir gingen dann erst einmal etwas Essen, Rießenscampis satt. Allerdings in Norwegen auch ein teures Vergnügen. Anderseits ist man nicht jeden Tag so lecker und so weit im Norden.
Am nächsten Tag erklärte mir der Vorskipper das Schiff, einige Details und Geschichten, die er so erlebt hatte. Draußen zogen dicke, dunkle Wolken über den Horizont, kein sehr netter Anblick. Auf einem Krabbenkutter erwarb man noch einmal eine Plastiktüte voll Scampis, die es am Abend zu Vernichten galt. Das Leben kann hart sein....
Am nächsten Morgen nieselte es, kein Wetter zum Segeln, eher zu Ausschlafen. Aber 400 sm lagen vor uns, die Zeit war knapp. Die Landschaft lag in grauem Trauergewand, trotzdem ein beeindruckender Anblick. Wir versuchten unser Glück mit Segeln, jedoch gewann der Motor das Rennen um die erforderliche Geschwindigkeit. Am Abend suchten wir uns einen netten Hafen, recht weit kamen wir nicht wirklich.
Am darauffolgenden Tag tankten wir erst einmal in OEMES (66° 52’08’’N 013° 42’14’’E) das Schiff auf. Das Wetter hatte sich eines besseren besonnen, die Sonne schien, der Sonnenbrand war vorprogrammiert – nur Wind war leider nicht mehr im Angebot. Ein Schiffe der Hurtigruten zog seine Bahn gen Norden. Würde man für jedes Foto, was uns ablichtete, einen Euro bekommen, hätten wir bei dieser und allen weiteren Begegnungen ein nettes Taschengeld verdient. Wir winkten kräftig zurück, die Kreuzfahrtgäste waren zufrieden. Im Laufe des Tages dann mussten wir leider feststellen, das uns die Zeit wie Wasser durch die Finger ran. Also hieß es Nachtfahrt. Um 1653 Uhr überfuhren wir den geographischen Polarkreis, um 1715 Uhr kamen wir an einem Globus, der den Polarkreis symbolisiert, vorbei (66° 29’19’’N 012° 55’28’’E). Wir beschlossen diesen denkwürdigen Augenblick mit einer Büchse Bier und zahlreichen Fotos gebührend zu feiern. Ob Touristen gesagt wird, das dieses Symbol 1,8 km zu weit südlich aufgestellt wurde? Hat man sich verrechnet? Eigentlich gäbe es eine Insel, wo man das Symbol aufstellen könnte, nur noch 100 Meter zum wahren Polarkreis. Anderseits müssten dann alle Hurtigruten 1,7 km Umweg fahren..... Der herbstliche Nordatlantik (Stürme mit meterhohen Wellen) gestaltete sich eher zum Ententeich im Juli, der zu einer Runde auf der Luftmatratze einlädt. Zum Baden war es dennoch zu kalt, auch wenn uns die Wassertemperaturanzeige sagenhafte 57,3°C weismachen wollte. Auch über die anderen Werte der Instrumente konnte man so seine Zweifel haben. Besser war da schon das Echolot (Wassertiefe), was lieber gar nichts mehr anzeigte.
Ab 22 Uhr sahen wir über Stunden Polarlichter, die ihr grünes Licht an den Himmel zauberten. Dazu noch einige Sternschnuppen und ein Sternenhimmel, der in heimischen Gefilden einem leider versagt bleibt.
Der nächste Tag war wieder eine Belastungsprobe für den Motor. Wir hatten zwar die Segel zum Locken heraufgezogen, sie spendeten aber eher Schatten als Vortrieb. Wir kamen dann abends in ROERVIK (64° 51’64’’N 011° 13’79’’E) an, tankten erst mal wieder auf und suchten uns einen kuscheligen Liegeplatz. Dort entfernte ich – wie auch später alle weiteren Tage – erst mal 100 Liter Wasser aus dem Schiff.
Am nächsten Tag ging es erst um 1000 Uhr weiter, so recht Lust hatte niemand. Die Sonne brannte, die Lust stand. Aber es half nichts, Motor an, Augen zu und durch. Wieder zog die Trollwelt der Norweger an uns vorbei, wir mitten durch. Irgendwie hatte man den Eindruck, man fährt mit dem Schiff durch die österreichischen Alpen. Wieder ging es nachts weiter, wieder Polarlichter und Sternschnuppen. Am Abend bewölkte sich der Himmel, allerdings wartete man auf Wind vergeblich. Um halb Eins kamen wir in Alesund (62° 28’41’’N 006° 09’31’’E) an, wo der erste Teil der Reise zu Ende ging. 418 sm waren geschafft, aber noch nicht ganz die Hälfte. Zwei der fünf Gäste verließen uns am nächsten Morgen und wir zogen erst einmal, nach erledigter Putzarbeit, durch die Stadt. Schließlich galt es Souvenirs den Eingeborenen abzukaufen, die Essensvorräte wieder aufzustocken, den Tank neu zu befüllen und sonstige ungeliebte Tätigkeiten zu verrichten. Auch das Schiff tat sein Bestes, damit es uns nicht langweilig wurde. Der Tankinhalt entleerte sich schleichend wieder aus seinem Behälter und verbreitete im Schiff den angenehmen Geruch einer Tankstelle nach einem Ölunfall. Aber man hat ja Zeit und freut sich über Abwechslungen. Zu was auch den Sonnenschein genießen, wenn man unter Deck sich schützen kann.
Zweiter Teil: Am nächsten Tag traf dann die Ersatzmannschaft für unsere zwei Abtrünnigen ein. Der Eine wusste alles, der Andere konnte alles. Mit ihnen kam Regen und dicke Wolken – nur Wind blieb leider in der Garage. Gegen 1200 Uhr motorten wir dann weiter Richtung Süden. Die Trollwelt verabschiedete sich im Dunst und Regenwolken, vorbei mit Fernsicht und guter Laune. 130 sm lagen vor uns, hier rechnet man in etwas anderen Dimensionen. Ein Dächlein über dem Ruderstand hätte vorher gute Dienste als Sonnenschutz getan, jetzt wäre ein Regenschutz nicht schlecht gewesen. Der Nordatlantik zeigte sein wahres Gesicht mit 10 cm hohen Wellen ... .
Nachts um 0200 Uhr kam dann zwar etwas Wind auf und in den plötzlichen Wellen setzten wir in einer halbstündigen Aktion die Segel. Als sie dann endlich oben waren, war der Wind weg, es ging also unter Motor weiter. Dafür hörte der Regen auf, allerdings hatte mal wieder einer nach dem Kochen die Ölflasche (natürlich die Extragroße) stehen gelassen, welche sich dann durch das Schiff rollend, entleerte. Da kommt doch immer wieder Freude beim Skipper auf. Klar, keiner war’s, jeder weiß ja, das man sie wegstellen muss. Dafür änderte die Crew (als klein Ulli sich mal hinlegte) den Kurs. Mich überkam irgend ein komisches Gefühl und ich sah mal nach dem Rechten, wir liefen direkt auf 0,5 Meter Wassertiefe zu. Klar, die Felsen sieht man nicht und man meinte ja nur, man könne doch mal näher an die Küste....
Dafür war unter Deck alles in bester Ordnung. Man stieg auf Ölzeug, Gummistiefel und allerlei Mist rum, mein Computer (mit dem ich navigiere) wurde als Gameboy missbraucht. Mal schnell alle Navigationsdaten gelöscht, braucht ja eh keiner. Da kommt Freude auf.
Geographisch waren wir nun unterhalb der Faörinseln, aber noch oberhalb der Shetlands. Heute wurde es auch merklich kälter, Schneetreiben hätte mich nicht wirklich verwundert. Die Stadt Bergen liegt übrigens genauso hoch im Norden wie die Südspitze Grönlands. Und da schneit es bekanntlich auch oft. Wir waren noch nördlich davon unterwegs, warum also nicht die Ski auspacken?
Nach einem langen Ritt kamen wir dann doch noch endlich um 0030 Uhr in Bergen an. Komisch, es ist immer – in jedem Hafen, mit jeder Crew – das Gleiche. Kaum sind die Leinen fest, dann fragt mich die Crew wo die Duschen und WC’s sind. Ja, bin ich Hellseher? Komme ich hier jeden Tag her? Genauso werde ich jeden Morgen gefragt, wie das Wetter wird, sobald ich die Augen aufmache. Das war dann übrigens auch die letzte Frage, bevor ich die Augen schloss....
Einer der Crew war auch sichtlich um unser Wohl bemüht. Er kochte viel und oft. Nur leider hatte er wohl verpolte Geschmacksnerven. So gab es süße Fleischklöschen (da er Zucker und Salz verwechselte), Spagetti in Sahne (Sahne auf Norwegisch heißt „Flöte“) – er dachte es wäre Käse und allerlei andere Köstlichkeiten. Er wollte auch Brot backen, heraus kam ein Ziegelstein (Schade um das Gas und die Zutaten) der sofort unterging und nicht mal die Möwen erfreute.
Bergen zeigte sich nicht gerade freundlich. Nieselregen und viele (deutsche) Touristen. Egal, ich machte dann doch morgens einen kleinen Streifzug durch den Stadtteil am Hafen. Auffällig (für mich), hier sind oft die Rollen vertauscht. Männer sind Kindergärtner und haben eine Traube Quälgeister um sich und Frauen arbeiten im Straßenbau. Allerdings Frauen, die vom Aussehen her in die Disco passen – sie langen trotzdem ziemlich hin. Respekt.
Bedenklich stimmte mich das Schiff und seine Eigenarten. Nicht nur das es in 24 Stunden 1 Liter Öl schluckte oder das man in 24 Stunden ca. 150 Liter Wasser aus dem Motorraum pumpen durfte, nein, auch die Batterien waren voll, solange der Motor lief. War er aus, waren nach 2 Minuten die Batterien vollkommen leer. Sozusagen – es war einiges nicht ganz taufrisch. Bei der Weiterfahrt hatten wir endlich mal Wind, nur leider (wie es beim Segeln so üblich ist) aus der falschen Richtung. Genau gegenan geht schlecht. Aber meine Crew wollte endlich mal segeln und so kreuzten sie wie die Wahnsinnigen in einem ganz engen Fahrwasser, alle 30 Sekunden eine Wende. Wirklich weit kommt man damit bekanntlich nicht, schon gar nicht schnell von A nach B. Uns lief die Zeit weg und das Fahrwasser war mit seinen Untiefen das ungeeigneste Revier. Irgendwann überzeugten sie die Frachter, die mit uns dieses enge Gewässer teilen mussten. Unter Motor ging es Richtung Atlantik, wo sie sich austoben durften. Der Wind nahm beständig zu und war gefühlt am Gefrierpunkt. Aber ich konnte mich öfters am Motor aufwärmen, wenn ich mal wieder das Wasser herauspumpte. Inzwischen hatten wir wohl mehr Wasser im Schiff als um uns herum. So hat man aber auch etwas Abwechslung.
Die Pläne für freies Fahrwasser wurden ab 1600 Uhr geändert, da wir über Funk immer mehr Sturmwarnungen bekamen. Laut Internetwetterbericht sollte gegen 2300 Uhr der Wind auf 6 bis 7 Bft zunehmen, nun wurden 8 bis 9 angekündigt. Wir suchten uns deshalb ein Versteck und fanden ein nettes Plätzchen im Windschatten einer Insel. Dort kamen wir um 1915 Uhr an, hatten aber leider nur 30 sm gemacht. In der Nacht pfiff es dann ganz ordentlich, ich vermute mal, es waren trotz Windschatten noch 7 Bft. Dafür gab es in dem Versteck sogar Landstrom, da eine Baustelle gleich nebenan war.

Manche Bilder sagen mehr als tausend Worte (wenn man sie lesen kann)...
Um 18 Hpa war das Barometer in den letzten 16 Stunden gefallen, als wir um 6 Uhr langsam wieder losfuhren. Zuvor hatte ich 30 Minuten gebraucht, bis ich mein Laptop wieder zum Leben erwecken konnte, nachdem gestern Abend noch einer daran rumspielte. Meine Begeisterung war nicht sehr groß. Der Wind war moderat auf 5 Bft zurück gegangen, wir fuhren durch Sunde, um den Wellen zu entgehen. Hier geht dies sehr gut, beinah jeder Felsen hat nachts auch ein Lichtlein. Ohne Abdeckung hatten wir (trotz Landschutz) noch 1 Meter Welle. Die Temperatur ließ vermuten, das der Winter kommt. Die nächsten Tage hatten wir um die 10 – 12°C Außentemperatur, im Schiff gerade noch 15 ohne Heizung. Diese versagte inzwischen auch zeitweise den Dienst.
Einige Beobachtungen gilt es auch zu erwähnen:
- Wir waren ja 6 Mann auf dem Schiff und 4 hatten wohl irgend welche Urängste. Jedenfalls wurde den ganzen Tag heißes Wasser zubereitet. Nachdem der Motor lief, kam ja auch schon warmes aus dem Hahn. Trotzdem wurde immer kaltes genommen und so Unmengen von Gas sinnlos verballert. Zudem wollte ja nur immer einer Wasser, machte aber jedes Mal einen ganzen Kessel (falls noch einer was will). Das übrige Wasser wurde aber nicht in die Thermoskanne gefüllt, es wurde wieder kalt. Klar wurde gefragt, wer noch Wasser will, aber erst 10 Minuten später fiel es dem Nächsten ein, das jetzt warmes Wasser schön wäre, ein Tee oder Kaffee angebracht, eine warme Brühe von Nöten....
- Es verwundert auch immer wieder, das die Bedienung der WC’s solche Schwierigkeiten macht. Einfach nur einen Hebel zweimal umlegen und etwas pumpen. Trotzdem gibt es auf jedem Törn einen, der das nie kapiert. Das wiederum kapiere ich nicht.
- Man kann Leuten hundert mal erklären, das ein Segelschiff sich bewegt. Leere Kleiderbügel werden prinzipiell wieder aufgehängt (und scheppern), Flaschen rollen ständig durchs Schiff. Auch die Bitte eigene Sachen aufzuräumen und nicht im ganzen Schiff zu verteilen bleibt ebenso ungehört wie die Bitte, Sachen wieder da hin zu räumen, wo sie herausgenommen wurden.
- Auch das Thema Energie scheint auf Schiffen nicht beliebt zu sein. Wenn man keinen Landstrom hat und die Batterien auch noch alt sind, ist meißt schnell das Licht aus. Trotzdem wird alles eingeschlatet, was man findet. Hat man aber Landstrom, dann sitzt man im Dunklen, weil plötzlich alle sparen. Auch das Wasser wird laufen gelassen, es kommt ja aus dem Hahn...
Wozu sagt man überhaupt noch etwas? Langsam verstehe ich die Skipper, deren Einweisung zwei Minuten dauert, jedes weitere Wort ist Energie- verschwendung. Man ist als Skipper eh nur am Aufräumen, Ordnung halten, Putzen, Suchen oder reparieren.
Das Wetter wurde aber wieder besser, wir kamen gut durch die Sunde voran. Die Wellen kamen nur beim Überqueren freier Stellen, ansonsten war der Wind auch wieder ziemlich weg. Trotzdem stampfte sich das Schiff, bedingt durch die Bauform, fest und dann kamen wir nur noch mit einem Knoten gegenan. Das Barometer stieg wieder nett nach oben, der Wolkenvorhand lichtete sich zusehends. Einer von der Crew fragte alle 10 Minuten, wo wir sind, wie das Wetter wird und ob jemand etwas Essen will. Er räumte auch den ganzen Tag den Kühlschrank aus (falls jemand etwas will) – ich ihn wieder ein und schloss hundert mal am Tag die Kühlschranktüre....
Im weiten Tagesverlauf verließen wir zwangsläufig die Sunde. Es erwarteten uns Wellen mit 3 Meter, Regen und der Wind pfiff mit 6 Bft. Das Barometer fiel ins Bodenlose und ließ nichts gutes Hoffen. In der Nacht wurden dann 3 Seekrank, so das sie total ausfielen, einer stürzte und blutete am Kopf. Es wurde immer kälter, die Schiffsheizung verabschiedete sich auch vom Dienst. Die Brecher, die über das Schiff kamen, zeigten, das die meisten Fenster undicht waren, somit waren beinah alle Kojen nass. Man hatte nichts mehr trockenes am Leib, ein nasses Bett, saukalt, es stank fürchterlich nach Diesel und Lüften ging auch nicht.
Am darauf folgenden Tag fiel das Baro noch weiter, die Mannschaft war noch kränker, ich beschloss ab 1600 nach Thyboroen in Dänemark zu laufen. Pause war nicht möglich, uns lief noch immer die Zeit weg – der Zeitplan war vom Chef einfach viel zu eng gestrickt worden. Trotzdem das der Motor die ganze Zeit mitlief, machten wir nicht einmal genug Fahrt, um Cuxhaven im Zeitplan zu erreichen. Also lieber 170 sm sparen und den Kahn dort festmachen. Die Reststrecke sollte für den Chef mit einer neuen Crew eigentlich kein Problem sein, für uns war sie schlichtweg unmachbar.
Nach einer halbwegs ruhigen Nacht besah man sich das Wetter, es wehte nach wie vor sehr stark, es stand eine ziemliche Welle vor der Türe. 170 sm wären in 24 Std. evtl. machbar gewesen, aber die Luft war raus. Die Crew weigerte sich weiter mitzufahren, weiter in nassen Kojen zu liegen, zu frieren und wieder Seekrank zu werden. Verständlich – finde ich. Also reiste einer nach dem anderen ab, ich wurde von einem Freund nach Hamburg gefahren, er extra wegen mir die 450 km anreiste. Ich hatte auf der Karte verkehrt geschaut, als ich ihn um den Gefallen bat. Ich ging von 200 km aus (es waren aber 200 sm – Asche auf mein Haupt).Es gab weder vernünftige Bahnverbindungen noch hatte ich einen Kofferkuli dabei. Ich werde ihn in mein Nachtgebet mit einschließen... Schön, wenn man Freunde hat. Sie sind in solchen Situationen mehr als Gold Wert.
Die Crew, die geschaukelt wurde.
Last changed: 28.04.2011 at 17:42
Back