Logbuch

Reiseberichte und Anekdoten des Weltumseglers Ulli Barth

Aktuelle Nachrichten

Es ist nicht immer alles wahr, was stimmt.... (14:07, 20.02.2012)

Man versuchte wirklich mit allen Mitteln diesen Bericht zu verhindern....

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Tötet den Hafenmeister! (14:53, 22.02.2012)

Hier ein paar Gedanken, die einem als Skipper so durch den Kopf gehen,...

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Schiff'le versenken (19:29, 19.06.2011)

Im März 2011 wurde ein Schwerwettertraining auf der Nordsee (Cuxhaven - Helgoland) durchgef&uum...

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Hurtig oder sakte Fart - Im Land der Steinreichen (18:42, 28.04.2011)

Für alle, die schon immer mal in den Norden wollten - hier geht es wenigstens als Lektüre....

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Ebenfalls leidender Kollege (16:18, 22.12.2011)

Also nicht nur ich....

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Nächtlicher Besuch

Wir fuhren mit unserem Segelschiff in der Nähe von Malaga / Spanien. An Bord hatte ich eine gute Crew, die auch vieles selbständig machen konnte, also doch recht erfahrene Segler. Es war ziemlich spät, draußen tiefe Nacht, schätzungsweise so gegen 22.30 Uhr. Meine Mannschaft lag teilweise in der Koje, zwei hatten Ruderwache und ich saß noch am Navitisch, letzte Einträge ins Bordbuch machend. Wir hatten noch etwa 4 Stunden bis in den Hafen Benalmadena vor uns, also genug Zeit für Zettelwirtschaft und sonstiger Blödsinn. Draußen wehte ein netter Wind mit 3 bis 4 Bft aus SW, wir liefen etwa 6 kn, alles bestens. Im Radio lief leise irgend ein spanischer Sender mit Flamencomusik (auf Dauer nicht wirklich zu empfehlen) und auch sonst schien es eine nette Nachtfahrt zu werden. Doch plötzlich erklang aus dem Funkgerät eine zaghafte Frauenstimme auf deutsch: „Hallo, ist da wer, der uns helfen kann?“ Das war nun nicht gerade feinstes Funkerlatein, aber wenn man eh nichts besseres zu tun hat... und da klein Ulli sich ja immer in alles reinmischen muss, fragte ich mal an, was denn das Problem so sei. Sie Frau erklärte mir, das sie eine Reisegruppe seien (5 Gäste) und ein Skipper. Der liege aber sturzbesoffen in der Koje und sie fahren irgendwie aufs Land zu, wissen nicht mehr, was sie machen sollen und wo sie sind, keiner habe Erfahrung mit Segeln. Klasse. Genau das, was man in einer lauen Spätsommernacht so braucht.

Gut. Wenn man auf Land zufährt, ist man ja bald wieder am Trockenen. Aber die spanische Küste ist nun nicht unbedingt dazu geeignet, einfach mal so ein Schiff mit brachialer Gewalt an Land zu setzen. Klang demzufolge also nicht wirklich gut. Ich fragte das Mädel erst mal, ob sie einen anderen Kanal an der Funke einstellen kann. Muss ja nicht gleich die ganze Welt erfahren, das Ulli wieder Chaos produziert. Kurz darauf waren wir auf Kanal 72. Schwieriger war es, die Position des Schiffes zu bekommen. Meine war (für die Interessierten) 36° 24,9’N 004° 32,5’W, die des Seelenverkäufers 36° 28,6’N und 004° 33,1’W. Wir waren also 4 sm auseinander. Ich markierte die Schiffsposition auf meiner elektronischen Seekarte. Leider fuhren sie genau nach Norden, waren also noch 6 sm (etwa 10 km) von der Küste weg. Das war schlecht. Sie fuhren um die 3 Knoten, also noch drei Stunden bis zum bitteren Ende. Das war noch schlechter. Ich sagte dem Mädel, das sie Kurs 40° bis 50° fahren sollten, dann kann ich ihnen helfen. Ich erklärte ihnen über Funk, wie sie das Vorsegel wegnehmen sollten, damit der Kahn auch etwas langsamer wird. Etwa 20 Minuten, nach dem ersten Kontakt, war also der Kurs geändert und die Fock weggerollt. Sie klang etwas erleichtert, ich konnte die bessere Stimmung nicht wirklich teilen. Wie soll man per Funk ein Schiff in den Hafen bringen, wenn dort keiner ist, der sich auskennt? Vom Funken wach geworden, hatte sich meine Crew versammelt und schaute mich fragend an. Kurze Zeit später stand fest, das sie alleine in den Hafen fahren (ich traute ihnen das auch durchaus zu), sie hatten ja alle relevanten Instrumente an Bord, wir besprachen alle wichtigen Details – und ich wollte am anderen Schiff längsseits gehen, überwechseln und das Schiff dort selbst fahren. Zudem gibt es ja noch Funk, so kann man sich nötigenfalls gegenseitig helfen.
 
Gesagt, getan. Um 00.30 Uhr fanden wir das Schiff per Radar, es waren nicht einmal Positionslichter an. Die Crew fand die Schalter nicht, auch sonst fuhren sie etwas eigenartige Kurse. Aber durch die Kurse waren sie quasi sehr langsam geworden, da sie wohl einige Wenden und Patenthalsen gefahren waren. Um 00.50 Uhr stieg ich in einem etwas eigenartigen Spagatmanöver über, meine Crew hatte wohl schon mit mir abgeschlossen und mich im Wasser gesehen. Egal, man muss sich auch mal hängen lassen können, und die Füße mussten eh mal gewaschen werden. Also erst mal Kurs auf den Hafen, Segel wieder rauf und ab geht die Luzie. Sichtliche Erleichterung an Bord meines Prisenkommandos.
 
Kurz vor dem Hafen dann letzte Anweisungen an mein altes Schiff, es lief Planstabsmäßig ruhig und routiniert ab. Mein Schiff sollte als erstes rein, ich hinterher. Bei meinem Anleger sollte dann meine Crew mir helfen, meine Besatzung war etwas durch den Wind. Ich drehte also noch drei Runden im Hafenbecken, bis meine Leute dann an einen freien Steg kamen. Gleich danach waren wir fest. Ich schaltete erst einmal den Motor und die Posilampen aus, dann begab ich mich auf die Suche nach dem Skipper. Der lag Komatös in einer Achterkabine.

Die fremde Crew erzählte mir, das sie etwas Zweifel an der Qualifikation des Skippers geäußert hätten, da er ab und zu den Kahn stoppte, um festzustellen, woher der Wind kam. Irgendwie hatten sie dies einmal anders gelernt... Daraufhin hatte sich der verantwortungsvolle Schiffsführer zurückgezogen und sich die Kante gegeben. Eigentlich wollten sie nach Marbella, aber sie waren froh, überhaupt irgendwo angekommen zu sein.

Meine Crew, inzwischen an Bord des Unglücksdampfers, staunte über derartige Worte, ich war nicht minder begeistert. Ich lud die Schanghaiten noch auf ein Bier zu uns ein. Rüge: meine Crew hatte vergessen die Posilampen auszuschalten – geht ja gar nicht!!!!

Am nächsten Tag flog die andere Crew geschlossen nach Hause, der Urlaub wurde kurzerhand abgebrochen. Verstehe ich irgendwie.

Der andere Skipper befand es nicht einmal für nötig, sich bei mir zu melden oder sonst etwas dazu zu sagen.

Ich sprach einige Monate später das Reiseunternehmen auf diesen Vorfall an. Offenbar wusste man dort nicht viel darüber. Mir wurde nur gesagt, das man sich eben seine Skipper nicht wirklich aussuchen kann. Hauptsache, sie hätten den Schein. Klar; dieses Windbeutelunternehmen (Nomen est Ohmen – oder so ähnlich) chartert Schiffe, setzt irgendeinen Skipper drauf, der für ein Taschengeld seinen Urlaub finanziert und kassiert selbst gut ab. Teilweise sind die Schiffe so voll (Geiz ist ja geil), das sogar im Salon geschlafen werden muss. Eigenartigerweise wollte mich danach das ominöse Reiseunternehmen als Skipper haben. 200.- € die Woche. Klasse Idee. Man lud mich sogar auf ein Skippertreffen nach Holland ein (wo ich auch noch hinging). Das waren echte Helden der Seefahrt. Kaum einer hatte Erfahrung, geschweige denn eine Ahnung von irgend etwas. Man lachte über mich, weil ich meine Rettungsweste anhallte. Bestes, ruhiges Wetter und große Schiffe. Einige zigen sie dann doch an – warum auch immer. Und am Schluss fiel einer beim Anlegen über Bord.