Logbuch

Reiseberichte und Anekdoten des Weltumseglers Ulli Barth

Aktuelle Nachrichten

Es ist nicht immer alles wahr, was stimmt.... (14:07, 20.02.2012)

Man versuchte wirklich mit allen Mitteln diesen Bericht zu verhindern....

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Tötet den Hafenmeister! (14:53, 22.02.2012)

Hier ein paar Gedanken, die einem als Skipper so durch den Kopf gehen,...

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Schiff'le versenken (19:29, 19.06.2011)

Im März 2011 wurde ein Schwerwettertraining auf der Nordsee (Cuxhaven - Helgoland) durchgef&uum...

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Hurtig oder sakte Fart - Im Land der Steinreichen (18:42, 28.04.2011)

Für alle, die schon immer mal in den Norden wollten - hier geht es wenigstens als Lektüre....

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Ebenfalls leidender Kollege (16:18, 22.12.2011)

Also nicht nur ich....

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Der Flug des Ikarus

Der Flug des Ikarus

 
Soweit mir bekannt ist, gibt es nur komische ungeschriebene Gesetze. Eines davon besagt, das alles, was nur schief gehen kann, auch schief geht und das auch immer etwas schief gehen muss. Selten funktioniert also etwas, wie man es erwartet und man lernt aus jeder misslichen Lage auch etwas positives fürs Leben. Soweit die philosophische Betrachtung der Sache an sich und im einzelnen...
 
Wenn man mit einem größeren Schiff unterwegs ist, ist es ganz natürlich, das auch das eine oder andere Teil den Dienst quittiert und sich still und leise aus seiner Verantwortung entzieht. Ebenso natürlich ist es, das dann das neue benötige Teil nicht vorrätig ist und erst bestellt werden muß. Die nächste daraus resultierende Schlussfolgerung ist, das die Bestellung länger dauert, als man zu warten eigentlich beabsichtigt – Resümee, man hat so ein kleines Problem.
 
So ergab es sich, das in der Karibik ein Schaltrelais für die Maschine den Geist aufgab, welches die automatische Kraftstoffversorgung irgendwie ansteuerte. Wozu es genau dienste, erschloss sich mir nicht wirklich, ist aber auch egal. Jedenfalls bestellten wir es in Antigua. Da es aber nicht sofort lieferbar war, sollte es nach Martinique nachgeschickt werden. Logischerweise klappt das nicht, also gaben wir Order, es nach St. Lucia nachzuschicken. Dort lagen wir dann in Soufriere vor Anker, und es kam nicht wirklich. Aber zumindest war es unterwegs. Es sollte mit dem Flugzeug kommen. Nun gibt es im Norden und im Süden einen Flugplatz, wir waren mittendrin. Wo es ankam, wusste keiner. Nur die Zeit lief uns davon, da ein Fahrplan eingehalten werden musste. Ich beschloss daher auf St. Lucia zu bleiben und auf besagtes Teil zu warten. Zwischen den Inseln gibt es ganz gute Flugverbindungen, dann kann ich ja hinterher eilen... Am Horizont verschwanden drei Masten, Und als sie nicht mehr zu sehen waren, kam ein Kurier und gab mir eine Schachtel mit meinem Relais. Ich also den kurier gefragt, wo den der nächste Flieger nach St. Vincent geht. Um es kurz zu machen, da es sich um einen anderen Staat handelt, müsste ich erst mit dem Flieger nach Miami und dann zurück nach St. Vincent oder Grenada. Kostet Zeit, Nerven und Geld. Es gibt ja aber immer noch andere Wege. In diesem Fall eine Minifluglinie, die sozusagen von Insel zu Insel hüpft, geht schnell, einfach und unkompliziert. Ist zwar keine Airline, eher einige Privatmaschinchen, aber preiswert und direkt. Nur wann die Fliegen, das weiß keiner. Flugpläne haben die auch nicht. Aber man könne ja mal fragen, der Flugplatz sei ja gleich um die Ecke, meinte der Kurierfahrer. Hä? Bis zum Airport ist es doch weit, oder bin ich in Geographie so schlecht geworden? Nee, kein Airport. Die haben eine Landebahn gleich da hinten. Die landen doch nicht am Airport. Das ist sozusagen ein kleiner Behelfsflugplatz.
 
Also gut, ich rein in die Kalesche und ab in den Dschungel. Wir kamen dann auch nach kurzem dort an. Eine Wellblechhütte mit der Aufschrift „Islandhopper“. Davor saß ein Rasterman, vollkommen zugekifft, aber sehr freundlich. „Hey Man, Du hast Glück, Dein Flieger kommt in ein paar Minuten und die 35 Meilen sind ein Katzensprung.“ Kurze Zeit später krächzte dann ein Handfunkgerät, was an der Hütte hing und unverständliche Worte wechselten den Besitzer. Die Maschine ist im Anflug, meinte der Rasterman und machte sich auf, von der Graspiste (mitten im Dschungel) einige Kühe mit einem Moped zu verscheuchen. Da der Auspuff fehlte, ging die Arbeit recht leicht. Kurz darauf schwebte eine einmotorige Maschine gewagt über die Palmen zu der Hütte, wo sie eher abstürzte als landete. Egal sie war unten und anscheinend noch relativ flugfähig. Ihr entstieg ein ebenso zugekiffter anderer Rasterman. Man lud einige Pakete aus (mit diesen Maschinen werden u.a. dringende Medikamente usw. befördert – erfuhr ich später). Dann verabschiedete sich der Pilot mit dem Moped und den Kartons, die er irgendwie darauf festgebunden hatte. Zuvor sagte er aber meinem Rasterman, das kaum mehr Sprit drin sei, aber in St. Vincent seien noch einige Kanister, Und mein lustiger Zeitgenosse stieg ein, nachdem wir andere Kartons eingeladen und er mir hinein geholfen hatte.. Das war also mein Pilot? Er war doch gerade schon mit dem Moped Schlangenlinien gefahren – ach egal, wir müssen alle mal sterben. „Wieso willst Du schnell dahin?“ Ich erklärte mit kurzen Worten, das ich einem Schiff hinterher muss und hob bedeutungsvoll meine kleine Schachtel mit dem Relais hoch. Ach ja, immer diese Ersatzteile, er hatte so seine Erfahrungen. Die Maschine begann zu rollen, der Rasterman klopfte ein paar mal gegen die Tankuhr und schüttelte den Kopf, da sie nicht wirklich viel anzeigte. In 25 Minuten sind wir drüben, das langt. Ach? Das soll beruhigen? Gut, mit dem Auto kann man rechts ranfahren, aber mit dem Flugzeug, dazu über dem Meer ??? Egal, er wird schon wissen, was er macht. Die machen das jeden Tag, die kennen ihr Revier, zudem gehe ich einfach mal stillschweigend davon aus, das er auch weiter leben will.
 
Kurz danach schwebten wir über die erste Palme am Ende der Rollbahn – oder der Viehweide. „Kennst Du unsere Berge, die Pitons? Die sehen von oben toll aus.“ Er flog einige enge Kurven und wir nahmen Kurs auf die Berge. Es ging dreimal zwischen den zwei Bergen hindurch, mal höher, mal tiefer. Wirklich sehr beeindruckend und atemberaubend schön. Dann drehten wir ab und nahmen Kurs auf St. Vincent. Kurz vor der Insel sah er dann mein Schiff. „Hey Man, Deine Freunde. Lass sie uns begrüßen“ johlte er und setzte, wie ein Sturzkampfbomber, zum Überflug an. Ich glaubte in den Augen an Bord ein gewisses Entsetzen gesehen zu haben, als wir in Deckshöhe mit gefühlten 30 Zentimeter Abstand vorbei schossen. Er riss die Maschine in die Höhe und das ganze Spiel auf der anderen Seite. Beim Rückweg ging es einmal direkt oben drüber. Ich sah, das die kleine Windfahne ganz oben, mal gereinigt gehört. Später erzählte man mir, das eigentlich alle mit ihrem Leben abgeschlossen hätten, da sie eine versuchte Notlandung auf dem Mitteldeck vermuteten. Weicheier und Warmduscher. Schade war nur, das ich keinen Foto dabei hatte. Wir flogen also nach St. Vincent weiter und per Funk gab er Anweisung, die nächsten Kühe und Ziegen von der Landebahn zu scheuchen. Wir überflogen noch einige Berge, die er mir unbedingt zeigen wollte. Kurz darauf kamen dann die Palmen immer näher, da der Motor zuerst stotternd, dann im völlig Stillstand den Dienst versagte. Aber meinen Superman hinter dem Steuerknüppel beunruhigte dies anscheinend nicht wirklich. Die letzte Palme wurde dann zwar einige Blätter los, dahinter war aber eine Graspiste. Wir schlugen genau bei der dortigen Wellblechhütte auf. Was diese Maschinen alles aushalten - echt erstaunlich. Ich bedankte mich mit 10 Extradollar und im Weggehen sah ich den hiesigen Rasterman mit Kanistern zu der Maschine eilen. Ich war vor meinem Schiff im Hafen, da ich mit Hühnern auf der Ladefläche eines Kleinlasters mitgenommen wurde. Also, so einen Flug kann ich nur jedem empfehlen. Vorausgesetzt, man ist Todesmutig und will echt was erleben. Wie langweilig ist doch segeln....