Amüsantes Anlegemanöver
Sommer 09 im beschaulichen Hafen von Middelfart (Dänemark). Es ist ein netter Hafen, wirklich sehr empfehlenswert. Vor allem die Sanitäreinrichtungen sollten Vorbild für jeden Hafen dieser Welt sein (im Ernst). Gegenstand meiner melancholischen Betrachtungen sind aber nicht die WC’s oder Duschen, sondern die Box neben dem Schiff, auf dem ich Kartoffelschälend saß. Sie war frei, hing dort doch ein rotes Schild „Besetzt“. Es handelte sich um gut ausgebaute Stege, an denen wohl jeder Depp ohne große Schwierigkeiten festmachen kann. Davor stand noch ein Dalben im Wasser, dessen Bedeutung sich mir nicht weiter erschloss. Nun begab es sich aber zu jenem fragwürdigen Tag, an dem die Kartoffeln ihr Leben aushauchten, das der Hafen relativ voll war, was sicher auch an den guten sanitären Anlagen lag. Es war so gegen 16 bis 17 Uhr, also die Zeit, wo dann plötzlich alle bemerken, das sie ein Nachtquartier aufsuchen sollten. Plötzlich kamen alle Schiffe zielstrebig in den Hafen. Jeder suchte, viele zogen unendliche Schleifen, manche lachend, manche fluchend, wie das eben immer so ist. Deswegen ist ja auch der Platz an Deck zu dieser Zeit der Schönste weit und breit. Es geht doch nichts über Hafenkino live. Kurz gesagt, ein Schiff legte an (ich half natürlich, bin ja ein netter Zeitgenosse) und als das Schiff fest war, stellt man fest, das die Box gar nicht frei war. Also wieder raus – ich half natürlich beim ablegen. Kurz danach das gleiche Spiel, das ging so dreimal. Ich lerne ja gerne bei Anlegemanöver, deswegen sagte ich auch nichts, das die Box ja eigentlich besetzt ist. Manchmal bin ich ein richtig kleines Arschloch. Aber ich fühle mich gut dabei.
Dann kam Nummer 4, ein Schiff von ca. 40 Fuß Länge, ein junger und älterer Mann an Bord, offensichtlich Vater und Sohn. Vater gab Sohn (auf Deutsch) zu verstehen, das er jetzt langsam da reinfahren würde und Sohn soll die Achterleine (warum auch immer) über besagten Dalben werfen. War zwar gar nicht nötig, aber ich lerne ja gerne, also raus auf den Steg und zugesehen. Nur Sohnemann hatte so seine Probleme mit dem Festmacher, also lief Vater mal schnell mittschiffs, um helfend einzugreifen. Dabei war aber der Motor noch auf Vorwärts eingekuppelt, was ich zwar eigenartig fand, aber ich lerne ja gerne. Nun ergab es sich, das – während das Schiff langsam in die Box fuhr – Sohnemann nicht unbedingt die beste Figur abgab. Er hing halb am Dalben und halb auf dem Schiff. Nett, dachte ich. Vater war nicht sehr begeistert. Da das Schiff ja emsig bemüht war, die Fahrt endlich zu beenden, wurde der Abstand zwischen Dalben und Schiff größer, Sohnemann länger und Vaters Arm auch länger, der den Nachwuchs an Bord halten sollte. Zudem versuchte der Erzeuger mittels der zweiten Hand das Seil irgendwie um den Dalben zu bekommen. Irgendwie war die Sache zum Scheitern verurteilt, da ja eh kein Sinn in dieser Aktion zu erkennen war, deswegen siegte dann wohl die Schwerkraft und die Vernunft des Sohnes, der dann endlich den Dalben losließ und ins Wasser fiel. Nur Vater seinerseits wollte den Sprössling wohl nicht so einfach gehen lassen und es kam, was kommen musste, auch Vaters Gewicht reichte nicht aus, um den Fall des Sohnes zu hemmen. Also lagen sie beide im Wasser. Ich versuchte derweil, dem Vortrieb des Schiffes Einhalt zu gebieten, was aber nicht wirklich Sinn machte. Ich hatte zwar die Vorleine zu fassen bekommen, aber das Geräusch war dann doch nicht gerade Hafenkonzert tauglich. Es kamen noch drei Mann angerannt, ich enterte auf den Kahn und kuppelte dann aus. Am Bug war nur eine leichte Schramme, der Steg hat es auch gut weg gesteckt. Beide Unglücksraben kamen dann, frisch gewaschen, irgendwie auf den Steg, machten erst einmal das Schiff ordentlich fest, zogen sich wieder standesgemäß an – und legten wieder ab. Und was hat man daraus gelernt? Selbst vier erwachsene Männer können ein Schiff mit eingelegtem Vorwärtsgang, was noch in leichter Restfahrt ist, nicht daran hindern, den Steg zu küssen. Und: verwende nie einen Dalben, der eh unsinnig ist, wenn genug Klampen am Steg sind. Ich lerne ja gerne dazu..... Aber: elegant sah es schon aus, als beide so auf halb acht hingen. Jedenfalls für einen kurzen Moment.