Logbuch

Reiseberichte und Anekdoten des Weltumseglers Ulli Barth

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Es ist nicht immer alles wahr, was stimmt.... (14:07, 20.02.2012)

Man versuchte wirklich mit allen Mitteln diesen Bericht zu verhindern....

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Tötet den Hafenmeister! (14:53, 22.02.2012)

Hier ein paar Gedanken, die einem als Skipper so durch den Kopf gehen,...

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Schiff'le versenken (19:29, 19.06.2011)

Im März 2011 wurde ein Schwerwettertraining auf der Nordsee (Cuxhaven - Helgoland) durchgef&uum...

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Hurtig oder sakte Fart - Im Land der Steinreichen (18:42, 28.04.2011)

Für alle, die schon immer mal in den Norden wollten - hier geht es wenigstens als Lektüre....

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Ebenfalls leidender Kollege (16:18, 22.12.2011)

Also nicht nur ich....

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Blaues Abenteuer

Es begab sich zu der Zeit, als der Skipper Ulli mal wieder einen Job suchte, das man
ihm anbot, ein Schiff von Crand Canaria in die Karibik zu fahren und dort, mittels
diesem, dort erbauliche Segelreisen abhalten sollte. So geschah es denn auch, das
klein Ulli im Jahre 2008 anno Domini im Jahre des Herrn nach Münster eilte, um dort,
wie es sich für Männer geziemt, ein schickliches Gespräch mit dem Eigner zu führen.
Er erzählte, das es ein sehr schönes, guterhaltenes Schiff mit 5 Lenzen unter dem
Kiel sei, welches dazu gerade angetan sei, über die Weltmeere zu jagen und neuen
Abenteuern zu begegnen. Bei der Pflege des Schiffes habe man allergrößten Wert
auf Details gelegt, so das es an nichts fehle und alles in schicklichem Zustand
vorzufinden wäre. Nur sei momentan der Betriebstundenzähler und die Tankuhr
leider defekt, was auf ungeschicktes Verhalten des Vorskippers zurück zu führen
wäre. Aber es sei Ersatz unterwegs und werde noch in Kürze eingebaut.
 
Klein Ulli eilte denn auch im November, der kalten Sonne entfliehend, mittels einer
Flugmaschine nach Malaga, um den Vortörn als Passagier zu erleben und auf der
Überfahrt sich schon von den ganzen Eigenarten, die so einem Schiff innewohnen,
überzeugen zu lassen.
 
Dort angekommen, eilte er mit größter Erwartungshaltung dem Schiff entgegen,
welches seine Crew und ihn über die Wellen nach Warmland tragen solle. Er war ,
mittels eines Kontraktes, dazu auserkoren, erst im Wonnemonat Mai, wenn es auch
bei uns wieder warm werden sollte, dieses Meisterwerk der Schiffsbaukunst in
Malaga abgeben zu dürfen. 6 Monate Müßiggang und Easy Living standen in
Konkurrenz zu Weihnachten und Schneegestöber in den heimatlichen Gefilden.
Trotzdem hatte sich klein Ulli, auch wenn es noch so schwer fiel, für Warmland mit
Sandstrand entschieden. Wen wundert’s, wenn denn der Schritt auch immer
schneller wurde, ja – er flog gerade zu durch den Hafen, um sein neues Schiff, die
Blue Ocean, zu Herzen und zu küssen. Wie eine Geliebte wartete sie sicher schon
ungeduldig auf den neuen Freier, der sie zu Höchstleistungen anspornend, über die
Wellenkämme jagen wollte.
 
Und da lag sie dann, im abendlichen Hafenlicht erblickte Ullis müdes Auge ein Schiff,
welches den gesuchten Namen trug. Allerdings war es weder Goldgeschmückt noch
fehlten Perlen und Geschmeide an den Kronleuchtern, die es zu erwarten galt. Statt
dessen lag dort ein Schiffchen, welches sicher schon mehr als 10 Jahre ein
ungeliebtes Leben führte, von Skippern getreten und misshandelt, von Gästen
missbraucht und geschunden. Welch ein Elend ergoss sich über den Skipper,
welcher doch nur einmal ein halbwegs vernünftiges Schiff erwartet hatte. Statt
dessen lag dort ein Wrack, welches nur noch auf einen gnädigen Untergang wartete.
Die Erlösung allen Leidens, die Befreiung ins Nirwana.
 
Der erste Eindruck muss nicht immer der Richtige sein und so beschloss klein Ulli
dem Schiff eine echte Chance einzuräumen. Er betrat es! Ja, er wollte sich doch von
dem Innenleben angenehm überraschen lassen, außen Pfui, innen Hui. Doch welch
ein Elend erwartet ihn doch hier. Nicht nur das es sehr muffig roch, es war auch
überdies alles feucht, klamm und alles mit Schimmel überzogen. Bei einem
schnellen, gekonnten Kennerblick erfasste den Skipper das kalte Grausen. Es fehlte
an Allem. Nicht nur die fehlende Elektronik fuhr ihm ins Genick, auch ausströmendes
Gas erheiterte nicht gerade sein Gemüt.

In den nächsten zwei Tagen wurde zu viert geputzt und repariert. Das Gasleck war
nicht wirklich zu finden, also beschloss man den Verzicht auf jeglichen Gasgebrauch.
Bei diversen Rundgängen durch das Schiff wurde klein Ulli vom Skipper beruhigt. Es
sei nur deshalb alles so feucht, weil man die letzten Tage nur Schietwetter gehabt
hätte und keine Möglichkeit sich ergab, die entsprechenden Lüftungsmaßnahmen zu
ergreifen. Allerdings vermochte (kurzfristige) Feuchtigkeit die Bildung von Schimmel
in einem derartigen Ausmaß nicht zu erklären. Aber es geschehen ja noch immer
Wunder und Zeichen, also glaubte klein Ulli dies einmal unbesehen. Selbstzweifel
hätten ihn schon längst zur Flugmaschine in Richtung Kaltland getrieben. Auch das
das Funkgerät nicht funktionierte, vermochte Ulli so nicht hinzunehmen und hauchte
dem Teil neues Leben ein. Nur bei dem Radargerät, welches ein Spaßvogel auf
chinesische Menüführung umgestellt hatte, dauerte es zwei Stunden, bis er durch
Zufall den richtigen Knopf drückte. Das kein GPS an Bord war, war sehr löblich.
Wozu auch so modernes Zeug, welches nur Strom verbraucht. Auch das
Nichtvorhandensein von Seekarten war erbaulich, fliegen doch die Teile meist nur
unnütz durch die Räumlichkeiten. Schließlich hatte klein Ulli sein Notebook dabei, wo
man mittels elektronischer Seekarten auch weiß, was Neptun einen unter den Kiel
schmeißt. Dort, wo einst einmal besagter Betriebsstundenzähler und die Tankuhr
verweilten, waren Löcher in der Bordwand, welche mittels Klebeband notdürftig
verschlossen auf neue Herausforderungen warteten. Aber das Klebeband hatte wohl
auch schon einige Weltumrundungen erlebt, es war in die Tage gekommen.
 
Nach zwei Tagen sollte dann die Reise erst einmal nach Cadiz gehen, wo ein
weiteres Crewmitglied zu erwarten wäre. Er solle besagte Ersatzteile mit sich führen
und dann werde ja alles gut. Als der junge Mann dann an Bord kam, brachte er nur
eine zerrissene Sprayhood mit, welche, wie auch immer, man doch unterwegs flicken
lassen solle. Von weiteren Teilen wusste er nichts. So ergibt sich eine neue Aufgabe,
die Suche nach einem geschickten Segelmacher, welcher mit flinker Nadel
umzugehen weiß. Findet man doch solche allenthalben an jeder Straßenecke und
erst recht auf hoher See.
 
Klein Ulli ist ja von Natur aus ein sehr misstrauischer Mensch und empfängt heimlich
mittels kleiner elektronischer Helfer die Wetterkarten, welche durch den Äther fliegen.
Das was er sah, war nicht wirklich erbaulich. Braute sich doch auf dem geplanten
Weg ein Sturmtief zusammen. Er hatte doch Sonne gebucht und Warmland sehen
wollen, statt dessen zeigten ihm Pfeile, Kringel, Linien und Zahlen, das es gar
fürchterlich werden sollte. Aber der Skipper war guter Dinge, hatte er doch die
Wetterinformationen im Hafenbüro als Erbaulich betrachtet. Später ging klein Ulli
(misstrauisch wie immer) dort selbst vorbei und musste feststellen, das die
Vorhersage, welche dort an der Wand zu verweilen angeheftet war, bereits seit einer
Woche hing. Zwar stimmte der Wochentag, aber nicht das Datum. Wie kann man
sich aber auch als Gast anmaßen, die Worte eines erfahrenen Skippers in Zweifel zu
ziehen. Schließlich hatte der schon 3.000 Seemeilen auf dem jungen Buckel, was
zählen da schon die eigenen 100.000 oder noch mehr? Man muss auf die Jugend
hören, lernen und bereitwillig Fehler eingestehen. Alter schützt vor Torheit nicht!
 
Den Worten des jungen Hengstes folgend, stürmte die Blue Ocean dann auch aus
dem Hafen, neuen Welten entgegen. Warnende Worte des Spaniers neben uns
verstand der tatendurstige Kommandant nicht, was wusste auch ein Spanier schon
von Qualität im Schiffsbau. War unser Schiff doch makellos im Internet angepriesen
worden, so konnte es jeder Unbill der Natur trotzen, keine Macht der Natur
vermochte uns mehr zu stoppen.

 
Als nach wenigen Stunden bereits am Himmel die göttlichen Boten von ungemachem
Wetter berichteten, und mein Barometer, in meiner Armbanduhr, im Keller zu
versinken drohte, vermochte unser Held trotzdem ein lustiges Liedlein pfeifend,
nette Anecktoden der Seefahrt zum Besten zu geben. Er war ein echter Held, blickte
dem Tod fest in die Augen, immer entschlossen, bis ans Ende zu gehen. Jawohl, ich
war ein Feigling vor dem Herrn, er dagegen der wahre Eroberer der Weltmeere.
Nichts vermochte ihn zu bremsen, niemals würde er aufgeben oder auch nur eine
Niederlage akzeptieren. Was war ich für eine Flasche, ein armes Würstchen im
Universum – Schande über mich und meine Vorfahren, die einen solchen Unnützen
hervorgebracht hatten. Niemals mehr würde mein Name erwähnt werden, ich würde
aus den Analen gestrichen und getilgt werden. Dieses harte Los hatte ich mir selbst
zuzuschreiben, was war ich doch für ein erbärmlicher Feigling. Fortan solle ich bei
den Schweinen im Stall hausen, bis meine Knochen dann dereinst sich in Staub
aufgelöst hätten. Wie konnte ich Unwürdiger mich auch nur anmaßen zu glauben,
das Zeus uns nicht wohlgesonnen war und uns Unbill drohte? Nein, statt froh gelaunt
den Klängen unseres Admirals zu lauschen, plagten mich immer wieder
Selbstzweifel und blicke in den Himmel waren nicht dazu angetan, meine
Befürchtungen zu verbessern.
 
Noch in dieser Nacht wurde klein Ulli unsanft aus seinen Träumen von Warmland
geweckt, als das Schiff bockartige Sprünge veranstaltete. Müden Hauptes zog er
sich feste Kleidung an, welche dazu auserkoren war, schlimmstes Wetter vom
empfindlichen Körper eines alternden Mannes abzuhalten. Sicher stand der Held nur
in Badehose an Deck und würde ihn auslachen, was er doch für ein Weichei sei.
Jawohl, ein Warmduscher, Frauenversteher, Vorwärtseinparker war er, alles, nur
kein Seemann. Nachdem an Bord auch keine Geräte zur Windmessung waren,
vermochte klein Ulli mit geübtem Blick festzustellen, das der Wind bereits so um die
7 bis 8 Bft erreicht hatte. Eine beeindruckende Schieflage erschwerte den Gang
übers Deck zu dem heldenhaften Mann, der ans Ruder geklammert der Nacht
trotzte. Es war aber nicht der Held der Seefahrt, es war einer der anderen Gäste.
Unser Held schliefe, wie klein Ulli hörte. Es kamen wieder diese Selbstzweifel eines
alten Mannes hoch. Er wäre so feige und ließe spätestens jetzt reffen, waren doch
die Segel zum Bersten mit Wind gefüllt. Auch das Verhalten des Schiffes war nicht
dazu angetan, in klein Ulli Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen. Eine innere
Stimme brüllte ihn an: „Sieh dir diesen Held an. Er vermag seelenruhig zu schlafen,
wiegt sich in Morpheus Armen und du – du erbärmlicher Feigling willst dem Schiff
den Atem rauben, indem du ihm die Segel streichst.“ Jäh aus diesen vernichtenden
Selbstzweifeln gerissen, fragte der Mann am Ruder, ob es denn nicht besser wäre,
endlich die Segel zu verkleinern. War das auch so ein Feigling? Hatte ich vielleicht
doch Recht? Hatte ich noch einen Freund an Bord, der meine Selbstzweifel besiegen
konnte? Oder war es eine mythische Schlage, die nur hervor kroch, um mich
endgültig mürbe zu machen? War er ein Judas oder ein Freund? Klein Ulli war nur
Gast, hatte nichts zu sagen, war aus jeglicher Befehlskette entbunden.
Eigenmächtiges Handeln kann als Meuterei geahndet werden, vielleicht würde man
ihn an der Saling aufhängen oder den Fischen zum Fraß vorwerfen. Oder zuerst
Kielholen und dann über die Kante werfen. Nein, eine solch schwerwiegende
Entscheidung konnte und durfte er nicht treffen. Das darf nur der Skipper, der
Kapitän. Und das war ein Held der Seefahrt. Wenn er nun nach unten ginge, den
„Alten“ weckte und sein Anliegen vorbrächte, was würde wohl geschehen? Würde
ihn dieser erbost aus der Kammer jagen? Hatte er überhaupt eine Chance zu
entkommen? Sicher hatte der Held eine Waffe unter dem Kopfkissen, die nur dazu

bestimmt war, solche trüben Tassen wie ihn zu eliminieren. Anschließend würde die
ganze Mannschaft ein Bordfest feiern, seine Habseligkeiten untereinander aufteilen
und ihn aus der Bordliste streichen. In diese Gedanken hinein hörte er Geräusche
von unten. Es war der Kapitän, der sich anschickte, an Deck zu kommen. Polternd
erreichte er sein Ziel. Klein Ulli machte sich auf sein Todesurteil gefasst, gleich
würde er dem Irdischen Lebewohl sagen müssen. Doch der Held fragte klein Ulli nur,
wo denn der Wind plötzlich her käme. „Aus Westen“ hörte er sich selbst sagen und
hätte sich im gleichen Augenblick für diese Unverschämtheit selbst ohrfeigen
können. „Sollen wir reffen?“ fragte der Kapitän. Er fragte tatsächlich einen Gast, was
wohl richtig wäre. Oder war dies eine Falle? Wollte er sich nur Gewissheit darüber
verschaffen, das hier eine Meuterei im Gange war? Plötzlich erwachten in klein Ulli
ungeahnte Kräfte. Es waren die, die ihn immer überkamen, wenn er – als Kapitän –
Entscheidungen von ungeahntem Ausmaß treffen musste. Er richtete sich auf, blickte
dem echten Kapitän tief in die Augen, nahm die Seeluft in seine Lungen auf und
sagte: „Ich hätte schon längst gerefft, so kann man diesen Kurs nicht halten. Zudem
wird der Wind in den nächsten zwei Stunden auf Nordwest drehen, dann wird es
schwieriger mit dem Reffen bei dem Kurs“. Im gleichen Moment schoss es ihm in
den Sinn, das er eben den Schiffsführer, den wahren Helden der Seefahrt, belehrt
hatte. Er hatte ihm unmissverständlich zu verstehen gegeben, das er sich anmaßte
mehr über die Wetterentwicklung zu verstehen als der Held selbst. Damit war seine
Karriere beendet, niemals mehr würde er irgendwo eine Anstellung bekommen. Alle
Segler dieser Welt würden in kürzester Zeit wissen, was er sich erdreistet hatte. Er,
der einen Helden belehrt hatte. Selbst auf sein Grab – wenn man ihn denn überhaupt
eines zustand – würden noch Hunde urinieren. „Bist Du sicher, das es noch
schlimmer wird?“ fragte der Held. Wieder eine Falle, doch klein Ulli ließ es sich nicht
nehmen, auf seine Unverschämtheiten noch eins drauf zu setzen. „Ist doch logisch,
da kommt ein ziemlicher Sturm. Das war doch gestern schon absehbar“. Zu allem
Übel mischte sich noch der Mann am Ruder in das Hin und Her ein und sagte:
„Stimmt, Ulli hatte gestern schon gesagt, das da ziemlich was auf uns zukommt“.
Das war das Todesurteil. Nun war klar, das klein Ulli bereits gestern schon eine
Meuterei geplant hatte, sich nicht mit den Entscheidungen und Aussagen des Helden
abfinden konnte und sogar versucht hatte, die Mannschaft in seine Putschpläne mit
einzubeziehen. Vor ein Kriegsgericht würde man ihn stellen, standrechtlich
erschießen und dann noch erhängen, vierteilen, teeren und federn, seine Asche in
alle Winde zerstreuen, damit auch nichts mehr an ihn erinnert. „Warum sagst Du
dann nichts, dann hätten wir doch schon längst reffen können.“ Diese Worte aus des
Helden`s Mund – waren sie nun echt oder träumte klein Ulli nur von einer Lösung
seiner Probleme?
 
Den ganzen Tag dauerte der Kampf gegen die Gewalten der Natur. Die Mannschaft
hatte nur noch den Wunsch nach Koje, wenn es die Wachzeiten zuließen. Essen
zuzubereiten war bei dem Seegang nicht mehr möglich, Vorbereitungen, wie sie klein
Ulli sonst zu machen pflegte, waren nicht getroffen worden. Überall drang in dem
Schiff Wasser ein, der Wind hatte sich in Böen auf über 10 aufgebaut, die Wellen
waren beinah höher wie der Mast, welcher stolze 18 Meter maß. Klein Ulli zeigte
allen, wie sie die Wellen anfahren sollten, damit möglichst wenig Wasser überkam
und ein Querschlagen möglichst nicht passierte. Der Held fragte immer mehr, er
wusste sich wohl offensichtlich keinen Rat mehr. Das eingedrungene Wasser konnte
mit der Bilgenpumpe nicht abgepumpt werden, weil jeglicher elektrischer Anschluss
fehlte. Auch die Handlenzpumpe hatte schon bessere Zeiten gesehen und
vermochte nur zwei Pumpstöße lang ihrer Aufgabe gerecht zu werde. Also bastelte
klein Ulli einen Anschluss, welcher aber von dem überschäumenden Temperament

der Pumpe bald schon als Lächerlichkeit hingestellt wurde. Jede Aquariumspumpe
war ein Tornado gegen das laue Wässerchen, was sie zu fördern vermochte und
nach kaum mehr als 10 Minuten Dauerdienst war ihre Dienstzeit beendet.
 
Den ganzen Tag dauerte der Kampf gegen die Naturgewalten und am Abend waren
eigentlich keine Seemeilen auf der Uhr. Als sich dann auch noch das Vorsegel vom
Dienst verabschiedete, war allgemeiner Unmut zu verspüren. Der angehende Held
der Seefahrt befragte den ungenehmen Gast, wie denn die weitere Entwicklung
werden würde. Ist Ulli Hellseher? Frech gab er von sich, das es wohl erst mal so
weiter gehen würde. Der Wind hatte nicht wirklich gedreht, das Barometer in der Uhr
war nicht gestiegen, also dauerte das Tiefdruckgebiet weiter unvermindert an. Was
für ein Hochverrat am Kapitän, ihm seine Weisheiten vorzubeten. Schließlich war ich
nicht berechtigt, auch nur irgend eine Art Kritik an seinem Wissen zu üben. Klein Ulli
seinerseits verspürte den Drang nach mehr Wissensdurst und begab sich geschwind
zu seinem Laptop, wo er mittels Zauberei und ein paar technischen Spielereien sich
eine Wetterkarte auf den Bildschirm mahlte. Und siehe da, es war so. Das Ding hatte
sich vertieft, weiter aufgebaut, also Besserung in weiter ferne. Der Nordwestwind
trieb uns eher nach Marokko als nach Grand Canaria. Und das Navigationssystem
zeigte, das wir sinnlos auf der Stelle kämpften. Egal, der Held muss wissen, was er
macht, klein Ulli ging erst mal in die Koje. Von Warmland träumen hilft, wenn man
nichts mehr trockenes zu anziehen hat. Nur dumm, das die Koje ebenso nass war.
 
Am nächsten Morgen war dann das Laptop auch Out of Order, Salzwasser und
Elektronik vertragen sich irgendwie nicht wirklich. Also Feierabend, Ende der
Fahnenstange, aus die Maus – Klappe zu, Affe Tot, Zirkus pleite. Jegliche Navigation
war am Firmament entschwunden, wir trieben im Nirgendwo. Was nützt einem die
Koordinaten vom HandGPS, wenn man sie nicht mehr umsetzen kann? Aber: im
HandGPS ist eine Art Minikarte und ich hatte beim letzten Besuch Cadiz
eingespeichert. Also findet klein Ulli dahin zurück. Ich fragte mein großes Vorbild, ob
ich ihn zurück nach Cadiz bringen soll. Er überlegte lange, ich sah den Kampf in
seinem Innersten. Gestand er doch seine eigene Unfähigkeit in dem Moment, wo er
ja sagte. Sagte er nein, so riskierte er die Sicherheit des Schiffes und seiner Gäste.
Navigation ohne alles ist schon sehr gewagt, wenn man nicht in bekanntem Revier
fährt. Und selbst da ist es nicht ohne. Nachdem auch kein Ende des Mistwetters
absehbar war, gab er schließlich klein bei und sagte vor der gesamten Mannschaft,
das ich ab sofort das Kommando hätte. Es ginge zurück. Was für ein kometenhafter
Aufstieg. Vom Gast zum Schiffsführer. Man merkte aber auch, das beim Held der
Akku leer war. Meiner begann sich eher aufzuladen. Hatte ich ihn doch künstlich gen
Null gedrückt. Einige Kommandos später ging es ab Richtung Sicherheit und
bekanntem Revier. Am übernächstem Tag legten wir wieder am bekannten Steg an.
Zwei Tage später flog ich heim. Der Chef in Münster war sauer, man hätte doch in
Grand Canaria sein sollen. Ich jedenfalls habe nichts mehr vom Chef gehört. Tot
stellen, auch eine Art der Tatsachenverarbeitung. Dabei hätte ich gerne 2.500.- Euro
von ihm. Für sinnlose Flüge durch halb Europa, ein neues Laptop und Arbeitszeit.
 
Habe einen neuen Freund, mein Rechtsanwalt profitiert von alledem. Und mein
Heldenbild ist auch leicht verschoben. Die Schäden waren weit gravierender, als hier
dargestellt, aber um alle aufzulisten – wen interessiert es wirklich? Jedenfalls wurde
mir später berichtet, das auch die Rettungsinsel keinerlei Funktion mehr hatte.
Beruhigend zu wissen....
 
Die Ersatzbilgenpumpe, die wir in Cadiz fanden, begann nach 5 Minuten zu rauchen.
Dabei ist rauchen unter Deck verboten !!!!